Ein Drama vonWolfgang Borchert

Mit: Sebastian Gasper, Elke Reiter, Stephan Vanecek, Rebekka Michalek, Mario Schnitzler
Regie, Choreografie und Medienkunst: Alexander Ourth

70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, ist der Friede in Fragegestellt, haben wir möglicherweise die Schwelle zu einem neuen Kalten Kriegschon überschritten, sehen und spüren die Auswirkungen der Konflikte in derUkraine, Syrien, Nordkorea und Iran, erleben Politikverdrossenheit und instotalitäre taumelnde Demokratien. Im gleichen Zug sind wir einerDauerbeschallung aus dem actionorientierten Hollywood ausgesetzt, das Heldentodund Kriegsphantasien regelmäßig als Blockbuster in die Kinos bringt. Es scheintdas, was Krieg ist, verklärt zu werden oder in Vergessenheit zu geraten. „Draußenvor der Tür“, erstmals 1947 als Hörspiel ausgestrahlt, wirkt dem Heldenpathosentgegen.

Im Zentrum steht der junge Soldat Beckmann, der traumatisiert von Krieg, Schuld und Gefangenschaft, nach der Rückkehr seinen Platz in der Welt sucht. Ihm begegnen typisierte Figuren, Allegorien, die für Aspekte der Welt stehen. Mit ihnen ringt er um Einlass, Trost und Frieden.

Zahlreiche deutsche Schulen teilen sich Wolfgang Borcherts Namen. Der jung verstorbene Schriftsteller ist der wohl prominenteste Vertreter der Stunde Null, des literarischen Neubeginns nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs. Borchert selbst musste als Soldat am Angriff auf die Sowjetunion teilnehmen und zog sich schwere Verwundungen, Erfrierungen und Infektionen zu. Im Seuchenlazarett Smolensk erlebte er, wie täglich ein halbes Dutzend Tote hinausgebracht und begraben wurden. Durch den Krieg schwer traumatisiert rettete sich Borchert in seinen eigenen grotesken Humor und schafft in nur kurzer Lebenszeit ein Werk, das bis heute seine ergreifende Strahlkraft entfaltet. Sein Drama „Draußen vor der Tür“ wurde bis zum Ende des Jahrhunderts über 250 mal in Deutschland inszeniert, in mehr als 40 Sprachen übersetzt, und hatte eine Auflage jenseits der 2,25 Millionen erreicht.

Für das Kulturlabor inszeniert Alexander Ourth das expressive Drama in einer bildhaften Fassung. Die Formen des Körpertheaters bis hin zu denen des zeitgenössischen Tanzes werden interdisziplinär mit klassischem Schauspiel und Videokunst verwoben.